Unser Leitfaden

Als wir Gründerinnen uns kennen lernten, haben wir viel miteinander gesprochen. Wir haben viele Gedanken ausgetauscht, haben viele Erkenntnisse gehabt.

Aber dann wurde uns bewusst: das Denken alleine reicht nicht. Das Erkennen und Planen alleine reicht nicht. Um das Leben zu verstehen, um es zu leben und daran zu wachsen und zu reifen, muss man den Weg durchs Leben GEHEN.

Wir planten, einmal gemeinsam den Jakobsweg zu gehen. Denn der Jakobsweg hat einiges zu bieten: Ungewissheit, Ruhe, Unbekanntes, Schmerz, Drama, Erlösung, Läuterung, Rückbesinnung, Konflikte, Lösungen und vieles mehr. Am Weg selbst scheint das Leben in komprimierter Form abzulaufen. Je ungeplanter und freier man sich auf das Abenteuer einlässt, umso besser. Es geht darum, sich einzulassen, loszulassen und sich dem Weg und seinen Prüfungen hinzugeben. So - vielleicht ganz langsam - kommt man zum Ziel und wird durch vieles gestärkt und bereichert sein, trotz aller Entbehrung und Erschöpfung. Und auch, wenn jeder seinen Weg alleine bewältigen muss, eins ist gewiss: auf dem Weg ist man niemals allein.

Diese Gedanken bewegten und bewegen uns immer wieder. Sie sind Grundlage für den Leitfaden, der uns in unserem Unternehmen trägt.

Und wenn alles läuft, wie wir es planen, dann werden wir spätestens 2017 gemeinsam mit unseren Klienten den Jakobsweg beschreiten und dort in kleinen, bewältigbaren Etappen, etwas über das Leben und uns selbst erlernen...

Zu unseren Leitgedanken:

Trotz der zahlreichen Hilfsangebote für psychisch kranke und behinderte Menschen, haben wir immer wieder festgestellt, dass es viele Hilfen im Rahmen der stationären und ambulanten Sozialpsychiatrie gibt, die ineffektiv und wirkungslos sind. Insbesondere, wenn es sich um Betreuungs- und Hilfeleistungen handelt, die nicht konsequent darauf abzielen, die tatsächlichen Lebensverhältnisse der KlientInnen, die häufig von Ausgrenzung, Einsamkeit, Arbeitslosigkeit und finanziellen Problemen geprägt sind, zu verändern.

Wir möchten mit unserer Arbeit zwei essentielle Ziele verfolgen:

einerseits sollen unsere Angebote so gestaltet sein, dass sie niedrigschwellig, wertschätzend und vor allem motivierend sind, sich mit sich selbst aufrichtig und mutig auseinander zu setzen. Dazu bedarf es einer Umgebung, in der man sich wohl und geschützt fühlt.

Andererseits möchten wir unsere KlientInnen dabei unterstützen, krank machende äußere Lebensumstände zu ändern, damit die innere Veränderung unter gesundheitsfördernden Umständen geschehen kann. Stimmen die Rahmenbedingungen nicht, so ist innere Entwicklung kaum oder nur sehr schwer möglich.

Wir sind davon überzeugt, dass ausschließliche Beratungs- und Betreuungsleistung, sowie eine Fixierung auf medikamentöse Behandlung, Klienten abhängig hält und keine dauerhafte, lang anhaltende Verbesserung der Lebenssituation erzielt.

Wir möchten KlientInnen heraus begleiten aus Passivität, Selbstbezogenheit und aus einer psychiatrischen Parallelwelt, in der es mehr um Defizitorientierung geht als darum, sich auf die eigenen Ressourcen, Wünsche und Lebensziele zu besinnen und dafür mit aller Macht zu kämpfen.

Ziel ist es, auch Inklusion ernst zu nehmen. Ziel ist es, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen miteinander und vor allem voneinander lernen. Nur im Zusammenleben und -lernen kann Selbstwertschätzung und Selbstbewusstsein gedeihen. Nur im Miteinander-Tun können Grenzen erfahren und ausgehalten werden, können aber auch Stärken erkannt und verankert werden.

Daher sind unsere Angebote immer offen für alle, die daran Interesse haben. Sie sind sowohl offen für Klienten, als auch für Nachbarn, Freunde und Bekannte von Klienten, als auch für Assistenten.

Um aus der Isolation heraus zu führen, finden unsere Angebote und Beratungsleistungen fast ausschließlich in unseren Räumen statt. Nur wenn in der Gesamtplankonferenz festgestellt wurde, dass Gespräche und Hilfeleistungen in der eigenen Häuslichkeit stattzufinden hat, suchen wir KlientInnen zuhause auf und leisten unsere Assistenz vor Ort. Auch in Krisensituationen und nach Krankenhausaufenthalten betreuen wir KlientInnen zuhause, um sie dann, nach einer Zeit der Genesung und der Kräftigung, wieder hinaus aus der Isolation hinein in die Gemeinschaft und das "normale" Leben zu begleiten.

Zu unseren Leitgedanken gehört auch unser folgendes Leitbild:

  • Wir sind ein lernendes, flexibles, soziales Dienstleistungsunternehmen, welches öffentliche Aufgaben erfüllt. Wir sprechen bei unserer Zielgruppe sowohl von "Kundinnen" als auch - im pädagogischen Kontext - von KlientInnen.
  • Wir erweitern und verändern unser Angebot in angemessenem Umfang. Hierbei orientieren wir uns an den Bedarfen unserer KlientInnen und an bestehenden Versorgungslücken. Es ist uns Selbstverpflichtung, hierzu all unsere Kompetenz, Phantasie und persönliches Engagement einzubringen.
  • Regelmäßige fachliche und persönliche Fortbildung, Selbstreflektion und fachliche Unterstützung durch Supervision und Teamgespräche sind uns selbstverständlich.
  • Wir verfolgen das Ziel: Soviel "Normalität" wie möglich und so wenig Sondersysteme (Medikamente und Therapieen) wie nötig. Unsere Hilfe ist insbesondere als Hilfe zur Selbsthilfe und zur Hilfe untereinander gedacht.
  • Wir fördern und unterstützen Begegnungen von Menschen mit und ohne psychische Erkranknungen oder Behinderungen, indem wir u.a. einen gemeinsamen Sozialraum schaffen und mit anderen Einrichtungen und Institutionen konkurrenzfrei kooperieren.
  • Um das gesellschaftliche Verständnis für Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Behinderungen zu fördern, vertreten wir deren Belange auch in der Öffentlichkeit.
  • Wir begegnen den von uns begleiteten Menschen auf Augenhöhe und achten sie in ihrer Individualität. Wir begegnen ihnen mit Respekt und ohne Vorurteile.
  • Für unsere Dienstleistungen gelten die Grundsätze "Empowerment" (Selbstbefähigung) und "Recovery" (Genesung bzw. Wiedererstarkung). Wir arbeiten ganzheitlich und trialogisch. Zu unseren Grundsätzen gehört jedoch auch, dass wir Unterstützungen nicht weiter erbringen werden, wenn die von der Sozialgemeinschaft getragene Leistung missbraucht wird oder die mit der vereinbarten Leistungserbringung verknüpften Ziele nicht verfolgt werden.
  • Für unser Unternehmen ist Kommunikation, Kooperation und Transparenz wichtig.
  • Unsere MitarbeiterInnen prägen die Qualität unserer Dienstleistungen, sie identifizieren sich mit ihrer Aufgabe und reflektieren ihr Handeln; sie erhalten Wertschätzung und leben Wertschätzung in ihrer Arbeit.
  • Wir fürchten uns nicht vor Konflikten. Wir sehen Konflikte als Chance für Veränderungsmöglich-keiten in Beziehungen. Wir führen Konflikte auf Augenhöhe und in Fairness.
  • Unser Ziel ist es, durch eine positive und von Humor getragene Grundhaltung eine Unternehmensatmosphäre zu erzeugen, in der sich alle Menschen, die mit unserem Unternehmen in Verbindung stehen, wohl fühlen. Unter "Humor" verstehen wir dabei eine Haltung von professioneller Gelassenheit und Akzeptanz des "So-seins" im Leben.
  • Wir stehen für wirtschaftliche Stabilität. Wirtschaftliche Stabilität ist eine entscheidende Grundlage zur Realisierung der sozialen und gesellschaftpolitischen Ziele unseres Unternehmens. Wir finazieren unsere Leistungen aus öffentlichen Mitteln, Eigenmitteln und Spenden. Eine regelmäßige Rechenschaftslegung über die Verwendung der bereitgestellten Mittel gegenüber der Öffentlichkeit ist für uns selbstverständlich. Wir stellen uns der Kontrolle über die sachgerechte und rechtmäßige Verwendung der bereitgestellten Mittel durch externe und interne Prüfer.
  • Ein Ziel für uns als Leitung ist es, eine flache Hierarchie leben zu können. Dies setzt den gegenseitigen Respekt aller Beteiligten voraus. Ebenso ist dazu eine ausgeprägte Selbstverantwortlichkeit eines jeden beteiligten Mitarbeiters für seine persönlichen und fachlichen Belange nötig. Nur durch gelebte Selbstverantwortlichkeit kann ein Unternehmen auf die Betonung von hierachischen Strukturen verzichten.
  • Es gehört zur Selbstverpflichtung der Unternehmensleitung, sowohl den Mitarbeitenden als auch allen, die mit dem Unternehmen in Kontakt stehen, mit Respekt, Wertschätzung und ausdrücklicher Anerkennung der Leistung zu begegnen. Die Unternehmensleitung ist sich darüber hinaus bewusst, dass das Überleben des Unternehmens vom Wohlwollen und von der Anerkenntnis der Mitarbeitenden, der Kunden, deren Angehörigen und auch der Kooperationspartner (u.a. Ärzten, Praxen, Mitbürgern, etc.) abhängt. Darum liegt uns ein positives Miteinander im Rahmen aller Handlungskontexte am Herzen.

Unser Ideen- und Beschwerdemanagement

Unser Ideen- und Beschwerdemanagement soll dazu beitragen, die Qualität unseres Unternehmens zu gewährleisten und kontinuierlich zu verbessern. Wir sind daher grundsätzlich offen für alle Formen von Beschwerden, Kritik oder Verbesserungsvorschlägen.

Wenn unsere Klientinnen und Besucherinnen mit unseren Dienstleistungen, insbesondere den Hilfe- und Betreuungsleistungen nicht zufrieden sind, oder Verbesserungsbedarf sehen, können sie ihre Beschwerde mündlich, in einem persönlichen Gespräch oder schriftlich vorbringen. Sie können sich mit ihrer Kritik sowohl an die Mitarbeitenden, als auch an die Unternehmensleitung direkt wenden. Die Mitarbeitenden sind angehalten, die Unternehmensleitung von der Kritik zu unterrichten, damit diese sofort bearbeitet werden kann.

Wir gehen jeder Beschwerde und jedem konstruktiven Verbesserungsvorschlag zeitnah nach und versuchen mit den Betroffenen in einem gemeinsamen Gespräch Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Jede unserer Mitarbeitenden betreut eine gewisse Anzahl KlientInnen. Diese "Gruppe" bildet ein Team. Um Probleme nicht groß werden zu lassen, gibt es für alle KlientInnen einmal wöchentlich die Möglichkeit, gemeinsam mit ihrer jeweiligen "Teamleitung" Mittag zu essen und dabei sowohl Pläne zu schmieden, als auch die Arbeit des Unternehmens zu reflektieren und Verbersserungsvorschläge sofort in der Arbeit umzusetzen.

Alle Beschwerden und Verbesserungsvorschläge werden von uns vertraulich behandelt und dokumentiert.

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Soweit unser Unternehmenskonzept in relevanten Auszügen.

Wir freuen uns auf alle, die den Kopfsalat-Weg mit uns gehen. Vielleicht sogar bis nach Compostella. Wer weiß???

Wir sind sicher, dass sich jeder Weg lohnt. Und dass beim Gehen niemand alleine sein wird.